Was brauchen junge Menschen, damit Beteiligung für sie wirklich funktioniert? Was motiviert sie, sich einzubringen? Und was hält sie davon ab? Mit diesen Fragen haben wir uns beim Bundesvernetzungstreffen für Kinder- und Jugendparlamente in Halle (Saale) in der „Galaxie der Beteiligung“ beschäftigt. Das Bundesvernetzungstreffen wurde von der Initiative Starke Kinder- und Jugendparlamente veranstaltet.
Die Servicestelle Jugend und Strukturwandel war gemeinsam mit dem Landeszentrum Jugend und Kommune und der Akademie der Kinder- und Jugendparlamente Sachsen-Anhalt dabei. Gemeinsam haben wir unsere Arbeit im Bereich der Kinder- und Jugendbeteiligung in Sachsen-Anhalt vorgestellt, Einblicke in unsere unterschiedlichen Arbeitsbereiche gegeben und gezeigt, wie junge Menschen in Sachsen-Anhalt aktiv beteiligt werden können. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Frage, wie Beteiligung gestaltet werden kann, sondern vor allem: Was sagen junge Menschen selbst dazu? Mit unserem Jugendbeteiligungs-Kompass haben wir junge Menschen nach ihren Erfahrungen, Wünschen und Vorstellungen gefragt.
Was macht Beteiligung sinnvoll?
Für junge Menschen bedeutet gute Beteiligung vor allem ein gutes Miteinander, die Möglichkeit, die eigene Zukunft mitzugestalten und gemeinsam Lösungen für kommunale Probleme zu entwickeln. Dabei möchten sie unterschiedliche Perspektiven und Expertisen einbringen können, freiwillig und ohne das Gefühl, dass Beteiligung zur Pflicht wird. Beteiligung wird dann als sinnvoll erlebt, wenn sie auf Zusammenarbeit setzt, unterschiedliche Perspektiven einbezieht und tatsächlich etwas mit der eigenen Zukunft und dem eigenen Lebensumfeld zu tun hat.
Was macht Beteiligung schwierig oder frustrierend?
Hier waren die Antworten sehr konkret. Genannt wurden unter anderem Erwachsene, die Entscheidungen über junge Menschen treffen, ohne sie einzubeziehen, starre Vorschriften und Satzungen, komplizierte Verwaltungswege sowie langsame Prozesse. Besonders deutlich wurde der Wunsch nach weniger Hürden, schnelleren Prozessen und echter Einbindung. Denn wenn Beteiligung zwar angeboten wird, die Entscheidungswege aber so kompliziert oder langwierig sind, dass junge Menschen kaum erleben, was aus ihren Ideen wird, kann Frustration entstehen.
Was motiviert junge Menschen?
Die Gründe, warum sich junge Menschen engagieren, sind vielfältig. Sie möchten Veränderungen und Prozesse mitgestalten, ihre eigene Zukunft beeinflussen, ihre Heimat verbessern, die Interessen junger Menschen vertreten und Verantwortung übernehmen. Dabei spielt eine Erfahrung eine besonders wichtige Rolle: zu erleben, dass das eigene Engagement tatsächlich etwas bewirken kann. Junge Menschen wollen also nicht beteiligt werden, weil Beteiligung an sich schön ist. Sie wollen sich beteiligen, weil sie etwas verändern, ihre Heimat mitgestalten und Verantwortung übernehmen möchten.
Wie soll Jugendbeteiligung in Zukunft aussehen?
Die jungen Menschen haben viele unterschiedliche Wünsche formuliert: mehr Kinder- und Jugendparlamente, mehr Unterstützung für bestehende Gremien, ernst genommen zu werden und gemeinsame, ergebnisoffene Gespräche zu führen. Auch neue Formen der Beteiligung wurden angesprochen, beispielsweise Online-Jugendvolksentscheide, um junge Menschen auch digital stärker an demokratischen Entscheidungen zu beteiligen. Dahinter steht ein klarer Wunsch: Junge Menschen möchten mehr Möglichkeiten, sich dauerhaft einzubringen, und Strukturen, in denen ihre Perspektiven ernst genommen und in demokratische Prozesse einbezogen werden.
Was sollten Erwachsene über junge Menschen verstehen?
Drei Aussagen sind dabei besonders hängen geblieben: Junge Menschen sind genauso an Politik interessiert und möchten sich zugehörig fühlen. Sie können sich informieren und sich selbst eine Meinung bilden. Und: Jeder war einmal jung und irgendwann erwachsen. Die Botschaft dahinter ist deutlich: Junge Menschen möchten als eigenständige, interessierte und informierte Menschen wahrgenommen werden und nicht das Gefühl bekommen, dass Erwachsene grundsätzlich besser wissen, was für sie wichtig ist.
Was nehmen wir daraus mit?
Die jungen Stimmen zeigen: Jugendbeteiligung braucht mehr als ein Beteiligungsformat. Sie braucht Vertrauen. Sie braucht Zeit und verlässliche Strukturen. Sie braucht Erwachsene, die zuhören. Sie braucht Verfahren, die nicht unnötig kompliziert sind. Und vor allem braucht sie die Erfahrung, dass Mitreden auch tatsächlich etwas bewirken kann.
Junge Menschen wollen nicht nur gefragt werden, was sie denken. Sie wollen ihre Zukunft, ihre Heimat und ihre Gesellschaft aktiv mitgestalten. Genau daran möchten wir als Servicestelle Jugend und Strukturwandel weiterarbeiten: gemeinsam mit jungen Menschen, Kommunen und allen, die Jugendbeteiligung vor Ort stärken möchten.
