Am 9. Oktober 2026 lud die Servicestelle Jugend und Strukturwandel online zum 2. Netzwerktreffen „Jugendfreundlichkeit im Strukturwandel“ ein. Im Mittelpunkt stand ein Interview mit Sebastian Schwalbe und Tina Bernert vom LUPO-Projekt des Kinder- und Jugendrings Sachsen, in dem Erfahrungen aus der Lausitz und Erkenntnisse für eine jugendfreundliche Gestaltung des Strukturwandels beleuchtet wurden.
Eine zentrale Erkenntnis des Gesprächs: Jugendbeteiligung muss frühzeitig beginnen und echte Mitgestaltung ermöglichen. Junge Menschen brauchen verständliche Informationen darüber, was der Strukturwandel für ihre Region bedeutet und welche Chancen sich daraus ergeben. Gleichzeitig müssen Kommunen offen dafür sein, ihre Perspektiven einzubeziehen, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden. Dafür sollten Verantwortliche aktiv auf junge Menschen zugehen und unterschiedliche Zugänge schaffen. Beispiele aus der Lausitz zeigen, wie das gelingen kann: Bürgermeister:innen können durch ein gemeinsames Grillen oder eine Dönersprechstunde mit jungen Menschen ins Gespräch kommen. Workshops an Schulen bieten ebenfalls Möglichkeiten, Ideen und Wünsche aufzunehmen. Bei sogenannten Dorfdetektiv-Aktionen erkunden junge Menschen ihren Ort und entwickeln eigene Vorschläge für Verbesserungen.
Auch konkrete Projekte können viel bewirken: Dazu gehören zum Beispiel eine BMX-Strecke, ein Basketballplatz, eine Jugenddisco, ein Lastenfahrrad oder ein Tauschladen. Jugendbudgets und kleine Förderfonds helfen dabei, eigene Ideen umzusetzen. Digitale Methoden wie die Planung von Freizeitflächen mit Minecraft oder Virtual Reality eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, junge Menschen kreativ einzubeziehen. Entscheidend ist, gemeinsam mit ihnen herauszufinden, welche Formate zu ihren Interessen und Lebenswelten passen.
Beteiligung braucht jedoch Zeit, verlässliche Ansprechpersonen und transparente Rahmenbedingungen. Wichtig ist, von Anfang an deutlich zu machen, welche Entscheidungen junge Menschen beeinflussen können. Werden ihre Vorschläge nicht aufgegriffen oder Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen, kann Frust entstehen. Die Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit hilft dabei, auch junge Menschen zu erreichen, die bisher wenig Zugang zu Beteiligungsangeboten haben. Langfristig braucht es feste Strukturen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und weiteren Akteur:innen vor Ort.
Im zweiten Teil des Treffens stellte die Servicestelle Jugend und Strukturwandel den entwickelten Jugendfreundlichkeitscheck vor, der sich derzeit in der Erprobung befindet. Das Instrument richtet sich an junge Menschen und soll ihre Perspektiven, Wünsche und Erfahrungen sichtbar machen: Wie jugendfreundlich erleben sie ihre Kommune? Wo fühlen sie sich wohl, wo sehen sie Verbesserungsbedarf und was sollte sich verändern? Die Rückmeldungen sollen Kommunen dabei helfen, die Bedürfnisse junger Menschen besser zu verstehen und konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Kommunen, die den Jugendfreundlichkeitscheck gemeinsam mit jungen Menschen erproben möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei der Servicestelle Jugend und Strukturwandel zu melden.
Das Netzwerktreffen machte deutlich: Jugendfreundliche Orte entstehen nicht von allein. Sie brauchen Menschen, die zuhören, Verantwortung teilen und Veränderungen ermöglichen. Für Kommunen in Sachsen-Anhalt bedeutet das, Jugendfreundlichkeit stärker sichtbar zu machen, Akteur:innen zu vernetzen und jungen Menschen frühzeitig echte Mitgestaltung zu ermöglichen. Denn wer die Zukunft einer Region gestalten möchte, sollte diejenigen einbeziehen, die diese Zukunft erleben werden.
