Jugendfreundlichkeit als Haltefaktor im Strukturwandel – Perspektiven, Impulse und konkrete Handlungsmöglichkeiten

Was brauchen junge Menschen, damit sie bleiben wollen und ihre Zukunft vor Ort mitgestalten können? Und was können Kommunen dafür konkret tun? Mit diesen Fragen haben wir uns am 23. September 2026 im Workshop „Jugendfreundlichkeit als Haltefaktor im Strukturwandel“ im SaltLabs in Halle (Saale) beschäftigt, gemeinsam mit interessierten Vertreter:innen aus den Kommunen der Strukturwandelregion.

Zum Einstieg gab es einen fachlichen Input zu den demografischen Entwicklungen und den Gründen, warum junge Menschen ihre Region verlassen. Anschließend haben wir uns gemeinsam damit beschäftigt, was Jugendfreundlichkeit eigentlich bedeutet und warum sie weit mehr ist als gute Freizeitangebote oder ein Jugendclub. Denn Jugendfreundlichkeit ist eine Querschnittsaufgabe: Sie betrifft unter anderem Beteiligung, Räume und Freizeit, Mobilität, Wohnen, Bildung und Arbeit sowie Kommunikation und Haltung.

Ein wichtiger Moment des Workshops war die direkte Perspektive junger Menschen. Mit dabei waren Fiona vom Jugendgemeinderat Muldestausee sowie Lucas und Anjelie von der Neustadtschule Weißenfels. Der Jugendgemeinderat Muldestausee stellte seine Arbeit vor und gab viele Einblicke, wie Jugendbeteiligung in einer Kommune konkret aussehen kann. Die beiden Schüler:innen der Neustadtschule Weißenfels berichteten von ihrer Teilnahme an der Strukturwandelwerkstatt „Dein Ort – dein Wandel“ und den Stadtspaziergängen. Sie erzählten, wie sie ihre Stadt erleben, welche Themen für sie wichtig sind und wie sie sich mit ihren Ideen in den Strukturwandel einbringen konnten.

Gerade diese Perspektiven waren für den Austausch besonders wertvoll. Denn wenn wir darüber sprechen, was junge Menschen brauchen, sollten wir nicht nur über sie sprechen, sondern sie selbst zu Wort kommen lassen.

Anschließend ging es für die teilnehmenden Kommunen ganz konkret um die eigene Situation: Was gibt es bereits, das junge Menschen hält? Wo sehen wir Lücken oder Probleme? Und wo müssen wir konkret etwas verändern? Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die bereits vorhandenen Angebote und Strukturen in den Kommunen sind: von Freizeit- und Vereinsangeboten über Jugendzentren, Skaterparks und selbst geschaffene Orte bis hin zu Ausbildungsangeboten und engagierten jungen Menschen. Gleichzeitig wurde gemeinsam darauf geschaut, wo noch Lücken und Herausforderungen bestehen und an welchen Stellen Kommunen konkret ansetzen können. Themen wie ÖPNV, fehlende Treffpunkte, Jugendbeteiligung, Nachwuchs in Vereinen, Kommunikation mit jungen Menschen und finanzielle Rahmenbedingungen wurden dabei besonders sichtbar.

Genau darin lag der große Mehrwert des Austauschs: Die Kommunen konnten nicht nur auf die eigenen Erfahrungen schauen, sondern auch Ideen, Beispiele und Impulse aus anderen Kommunen mitnehmen. Die unterschiedlichen Perspektiven haben neue Anregungen für die eigene Arbeit vor Ort gegeben und gezeigt, an welchen Stellen bereits gute Ansätze vorhanden sind und wo weiterer Handlungsbedarf besteht.

Eine Frage hat den Workshop dabei besonders begleitet: „Was bedeutet diese Entscheidung für junge Menschen?“ Eine Frage, die im Strukturwandel bei ganz unterschiedlichen Themen gestellt werden kann: bei einer Buslinie, einem neuen Wohngebiet, der Gestaltung eines öffentlichen Ortes, einer Veranstaltung oder einer kommunalen Investition. Denn Jugendfreundlichkeit bedeutet nicht, für junge Menschen zu entscheiden, was gut für sie ist. Es bedeutet, sie einzubeziehen, ihre Lebensrealität mitzudenken und ihnen echte Möglichkeiten zu geben, ihren Ort mitzugestalten.

Vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Impulse aus dem Workshop: Jugendfreundlichkeit beginnt dort, wo junge Menschen nicht nur Zielgruppe, sondern Gesprächspartner:innen und Mitgestaltende sind.